gbs warnt vor Verdrängung der Risiken der Kernenergie

Wir sollten Technologien vermeiden, die menschliche Fehler mit Katastrophen bestrafen

(16.03.2011)

korneloni / pixelio.de
AKW: korneloni / pixelio.de

Die schrecklichen Bilder aus Japan haben weltweit Bestürzung und Solidarität mit den Opfern des Erdbebens/Tsunamis ausgelöst. Angesichts der möglicherweise katastrophalen Folgen der Schäden am AKW Fukushima wird die Nutzung der Kernkraft nun auch in Deutschland zur Disposition gestellt: Stehen wir womöglich vor dem endgültigen Ausstieg aus der Atomwirtschaft?

gbs-Gründer Herbert Steffen ist skeptisch: "Mich erinnert die gegenwärtige Debatte an die Diskussionen nach dem Super-GAU in Tschernobyl. Auch damals waren viele davon überzeugt, dass der Ausstieg aus der AKW-Technik vorangetrieben würde. Geschehen ist aber nichts dergleichen. Was mich besonders irritiert, ist, dass viele Politiker nun behaupten, man hätte einen Unfall wie den in Fukushima nicht vorhersehen können. Spätestens seit Robert Jungks Bestsellern aus den 1970er Jahren "Griff nach dem Atom" und "Der Atomstaat" hätte es doch jedem bewusst sein müssen, mit welchen tödlichen Risiken diese Technologie verbunden ist."

Tatsächlich bedurfte es nach Tschernobyl keines "geheimen Expertenwissens", um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon formulierte seine Haltung zur Kernenergie in den 1990er Jahren folgendermaßen: "Alle Erfahrungen, die die Menschheit bisher im Umgang mit Risikotechnologien machen konnte oder genauer: musste, sprechen dafür, jede Technologie zu vermeiden, die menschliche Irrtümer, menschliche Unvollkommenheit mit nicht wieder gut zu machenden Katastrophen bestraft. Schärfer formuliert: Es wäre grob fahrlässig, weiterhin auf Technologien zu setzen, die das "Menschenrecht auf Irrtum" negieren, zumal sich gezeigt hat, dass das Festhalten an solchen Risikotechnologien die Entwicklung und Umsetzung von risikoärmeren und damit menschenfreundlicheren Alternativen dauerhaft blockiert" (Schmidt-Salomon: "Erkenntnis aus Engagement", S. 420).

Der gbs-Sprecher warnte angesichts der Ereignisse in Japan sowohl vor einer "hysterischen Panikmache, die die bestehenden Probleme verschärfen würde", als auch vor einer "weiteren ökologiotischen Verdrängung der Gefahren der Atomtechnologie". Es sei "ein Zeichen von Dummheit, eine Technologie zu nutzen, deren Risiken von keiner Versicherung der Welt getragen" würden. "Wären die AKWs auch nur halbwegs vernünftig versichert", so Schmidt-Salomon, "wäre Nuklearstrom so teuer, dass er keine Abnehmer mehr fände. Hieran erkennt man, wie eng die Wahnsysteme Ökologiotie und Ökonomiotie miteinander verknüpft sind."

Schmidt-Salomon hatte die Begriffe "Ökologiotie" (ökologische Idiotie) und "Ökonomiotie" (ökonomische Idiotie) erst vor wenigen Wochen in einem Gastbeitrag für das Lifestyle-Magazin "Mind" geprägt. Angesichts der aktuellen Vorgänge in Fukushima hat der humanistische Pressedienst (hpd) nun Auszüge aus diesem Artikel veröffentlicht.

"Keine Macht den Doofen!"
http://hpd.de/node/11296